28.04.2026
Jungen haben geringere Bildungschancen - Es fehlen männliche Vorbilder in Kita und GS.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bildungserfolg in Deutschland noch immer zu stark von der
Herkunft abhängt und beständiges politisches Handeln dringend notwendig ist. Das ist aber keine neue
Erkenntnis, sondern bestätigt, dass es in Deutschland weiterhin nicht gelingt, diese Abhängigkeit
abzumildern“, so Meyer in seiner Bewertung der heute veröffentlichten Ergebnisse des
Chancenmonitors*, der vom ifo-Institut erstellt wurde.
Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass Jungen deutlich geringere Bildungschancen haben als
Mädchen. Im Durchschnitt besuchen 40,1% der Schulkinder das Gymnasium, davon nur 36,9%
Jungen, aber 43,5% Mädchen.
Der Rückstand bei der Schulbildung der Jungen zieht sich durch alle sozialen Schichten. Er verstärkt
sich sogar noch im Laufe der Schulzeit und beträgt im Alter von 16-18 Jahren bereits 9,6
Prozentpunkte.
Geschaut wurde nicht nur nach dem Unterschied bei den Geschlechtern, sondern auch nach dem
Bildungsstand der Eltern, dem Haushaltseinkommen, dem Migrationshintergrund und der Frage, ob ein
Elternteil allein erzieht.
Meyer weiter: „Die Ergebnisse sind frustrierend und bestätigen in drastischer Weise frühere Studien:
Kinder von Gutverdienern mit Abitur schaffen viel häufiger den Sprung aufs Gymnasium als Kinder von
Eltern ohne Abitur und einem geringen Haushaltseinkommen. Die Differenz ist gewaltig: 80,3 Prozent
der Kinder von Eltern mit Abitur besuchen das Gymnasium, bei den Geringverdienern sind es nur
16,9%". Das ständige Gerede der Politiker von den gleichen Bildungschancen für alle entpuppt sich
nun als leeres Geschwätz. Im Gegenteil: Die Ungerechtigkeit im Bildungssystem hat sich in den
letzten Jahren noch verschärft."
Jede Schule braucht dringend eine bedarfsgerechte Finanzierung, die unter anderem berücksichtigen
muss, wie viele der Kinder staatliche Hilfsleistungen empfangen. Zudem ist es zentral, dass an
Schulen möglichst viele Professionen gemeinsam dafür arbeiten, den individuellen Bildungsweg der
Schülerinnen und Schüler zu begleiten.
Meyer abschießend: „Um gerade Jungen besser zu fördern empfiehlt die Studie mehr männliche
Erzieher in Kitas und mehr männliche Lehrkräfte in den Grundschulen. Das Überwinden von
Geschlechterstereotypen ist dabei ein wichtiges Ziel. Auch das Lernmaterial in den Grundschulen ist
oft mädchenorientiert. So entsteht der Eindruck, dass das Lesen nur Mädchensache sei. Es wird
höchste Zeit, dass die Bildungspolitik gezielte pädagogische Antworten findet, ohne in einfache
Zuschreibungen zu verfallen und ohne stereotype Rollenbilder zu verstärken.
*https://www.ifo.de/DocDL/sd-digital-2026-05-woessmann-etal-chancenmonitor