05.01.2026
„Nirgendwo in Deutschland kommen Kinder und Jugendliche so oft in den Jugendarrest wie in Niedersachsen und Bremen. Das ist das Ergebnis einer RND-Umfrage* zum Schulabsentismus. Statt auf Präventionsangebote zu setzen, schickt man in Niedersachsen die Schülerinnen und Schüler bei wiederholtem Fernbleiben vom Unterricht lieber in den Knast. Das macht fassungslos und ist eine schulpolitische Bankrotterklärung", so Meyer in seiner Kommentierung zur Umfrage.
Notorischen Schulschwänzern droht in Niedersachsen als letztes Sanktionsmittel der Jugendarrest. Im ersten Halbjahr 2025 waren es in unserem Bundesland insgesamt 355 Jungen und Mädchen - ein absoluter Spitzenplatz. Bremen ist einbezogen, da deren Schulschwänzer in Niedersachsen ihren Arrest verbüßen. Hessen folgt weit abgeschlagen mit insgesamt nur 48 Jugendlichen. Manche Bundesländer verzichten ganz auf Jugendarrest bei Schulschwänzern. Diese Zahlen sind für das "Bildungsland" Niedersachsen ein Armutszeugnis.
Meyer weiter: „Das niedersächsische Justizministerium hält Jugendarrest bei Absentismus als ein "grundsätzlich taugliches Mittel". Die Praxis zeigt aber, dass solche Strafen in der Regel wirkungslos und kontraproduktiv sind. Besonders betroffen sind von dieser drakonischen Strafe mal wieder Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen und benachteiligten Familien. Schülerinnen und Schüler aus gut situierten Elternhäusern entgehen dem Jugendarrest durch Zahlung der Ordnungswidrigkeitsstrafen."
Jede Schule in Niedersachsen ist eigentlich verpflichtet ein Konzept zum Schulabsentismus zu entwickeln und umzusetzen. Im Vordergrund stehen dabei Präventionsangebote mit individuellen Betrachtungen, um die Ursachen für das Fernbleiben vom Unterricht herauszufinden und spezielle Hilfen anzubieten. Da stellt sich die Frage, ob die Schulen diese Verpflichtung einfach ignorieren oder bei der Fülle der Aufgaben überfordert sind Absentismus wirksam zu bekämpfen.
Meyer abschließend: „Gerade bereitet das Kultusministerium Handreichungen zur Gewaltprävention vor. Darin wird immer wieder die Bedeutung von präventiven Angeboten betont.
Warum funktioniert das nicht bei Schulverweigerern? Warum gibt es nicht für notorische Schulschwänzer spezielle pädagogische Konzepte und Ersatzangebote? Warum wird bei Versäumnisanzeigen beim Jugendamt gar nicht oder erst nach mehrfachen Wiederholungen reagiert? Das Kultusministerium muss das Thema "Schulschwänzen" endlich ernst nehmen. Vorbeugen ist allemal besser als bestrafen."
* Mehr Infos: Redaktionsnetzwerk Deutschland. www.rnd.de