14.05.2024

VBE-Landesvorsitzender Franz-Josef Meyer zur Ifo-Studie zu Bildungschancen:

„Ungerechtigkeiten im Bildungssystem verfestigen sich zunehmend“

- Massive ungleiche Bildungschancen zwischen Bundesländern – VBE fordert Konsequenzen -

 
 

„Es wird schon lange beklagt, dass die Bildungschancen stark abhängig sind vom Einkommen und der Bildung der Eltern. Mit der neuen Ifo-Studie* kommt eine neue Dimension hinzu: Die Chance auf ein Gymnasium zu kommen hängt nicht nur stark vom Elternhaus ab, sondern auch vom Bundesland und dem Wohnort. Das ist skandalös und völlig inakzeptabel“, so Meyer in seiner Bewertung der Studie.

Die Ungleichheit der Bildungschancen ist bundesweit stark ausgeprägt. Bezeichnend ist, dass kein Bundesland auch nur annähernd gleiche Chancen für alle Kinder bietet. In Niedersachsen liegt die Wahrscheinlichkeit für den Besuch eines Gymnasiums bei Kindern mit Eltern ohne Abitur und geringem Einkommen bei 27,8%. Mit höherem Bildungsgrad und höherem Einkommen steigt der Anteil auf 60,9%.

Meyer dazu: „Ein erschreckendes Ergebnis. Trotz ständiger Bekundungen der bildungspolitisch Verantwortlichen mehr zu tun, um diese Ungerechtigkeiten durch Förderprogramme abzumildern, hat sich in der Praxis kaum etwas verbessert. Entweder folgen diesen Versprechungen keine Taten oder die Programme verpuffen wirkungslos. Beides ist eine Bankrotterklärung für ein gerechtes Schulsystem.“

Die Wissenschaftler der Studie stellen fest, dass sich die Chancengerechtigkeit bei längerem, gemeinsamem Lernen entscheidend verbessert und verweisen auf die skandinavischen Staaten: Je weniger Selektion, desto besser kann jedes Kind seine Bildungspotentiale entwickeln. Da hinken die meisten Bundesländer mit der frühen Selektion nach vier Jahren Grundschule weit hinterher.

Meyer abschließend: „Längeres, gemeinsames Lernen ist das Gebot der Stunde, aber angesichts der festgefahrenen Schulstrukturen eher eine Illusion. Was hilft, ist der konsequente Ausbau der frühkindlichen Bildung, eine bessere Sprachförderung sowie eine stärkere Unterstützung armer Familien und der Schulen, die unter schwierigen sozialen Bedingungen arbeiten. Ein Hoffnungsschimmer ist da das „Startchancenprogramm“ und der angekündigte Sozialindex für Niedersachsens Schulen. Bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen tatsächlich die Bildungschancen dauerhaft verbessern.“

*Zur Ifo-Studie: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2024-05-13/bildungschancen-unterscheiden-sich-deutlich-zwischen-den-bundeslaendern

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