Die Corona-Pandemie begleitet uns nun schon über zwei Monate und prägt weiterhin unseren Lebensrhythmus. Das gilt auch für den Schulbetrieb. Nach der abrupten Schulschließung Mitte März kehren nun die Schülerinnen und Schüler nach einem Stufenplan sukzessive zurück in die Schule. Die wöchentlichen Schreiben des Kultusministers werden von den Schulleitungen mit gemischten Gefühlen erwartet, kommen sie doch regelmäßig am Wochenende mit Anweisungen, die bereits in der folgenden Woche anzuwenden sind. Da bleibt kaum Zeit zur Vorbereitung für die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen.
Die Arbeitsweise, „auf Sicht“ zu fahren, merkt man manchen Entscheidungen deutlich an, die mit „heißer Nadel gestrickt“ sind und mehr offene Fragen als klärende Antworten zurücklassen. Da schleichen sich handwerkliche Fehler ein, die man in vielen Fällen hätte vermeiden können, wenn frühzeitig und kontinuierlich die Bildungsverbände in die Entscheidungsfindung einbezogen worden wären. Die von Kultusminister Grant Hendrik Tonne immer wieder betonte Mitwirkung der Verbände ist leider nur ein Lippenbekenntnis. Auch die bei wichtigen Entscheidungen der Landesregierung bewusste Aushebelung der Parlamentsbeteiligung und der Mitbestimmungsrechte der Personalräte sind nicht hinnehmbar.
Die Ankündigung, sozial benachteiligten Familien als Soforthilfe demnächst digitale Endgeräte auszuleihen, ist im Kern richtig und wichtig, löst aber die akuten Probleme nicht wirklich. Lernen mit digitalen Medien ersetzt nicht den Unterricht im Klassenzimmer. Zudem bleiben viele offene Fragen: Wer sucht die Geräte aus und beschafft sie und wer sorgt für die Wartung? Es bleibt auch unklar, wer auf welcher Grundlage Anspruch auf ein Leihgerät hat. Schulen brauchen hier verlässliche Vorgaben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Schulleitungen haben zusammen mit ihrem Personal in den letzten Wochen mit großem Engagement versucht, so gut es geht, Präsenzlernen und häusliches Lernen zu organisieren. Mit der Rückkehr weiterer Schülergruppen wird diese Herausforderung noch anspruchsvoller.
Bei allen Entscheidungen muss der Schutz der Gesundheit aller an Schule Beteiligten im Vordergrund stehen. Im Blickwinkel dieser Prämisse sind alle Handlungsanweisungen des Kultusministeriums zu bewerten. Das bedeutet auch, dass möglicherweise aufgrund von Personalnot oder Raumproblemen der Infektionsschutz nicht gewährleistet werden kann und weniger Gruppen in die Schule zurückkehren können als nach dem Stufenplan vorgesehen. Die Schulen sollten dann konsequent den Empfehlungen des Kultusministeriums folgen und die Präsenzzeiten in erforderlichem Umfang reduzieren.
Ich warne davor, das Infektionsrisiko in den Schulen zu verharmlosen und Forderungen nach schneller Rückkehr zum Regelunterricht nachzugeben, wie es zunehmend in den Medien diskutiert wird. Die geltenden Regelungen und der Stufenplan zur Beschulung weiterer Schülergruppen sind für unsere Schulen der Rahmen zur Rückkehr zur Normalität. Dabei muss es bleiben. Beim Gesundheitsschutz sollten wir uns weiterhin strikt an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts orientieren. In den folgenden Wochen werden weitere wegweisende Entscheidungen zu treffen sein, etwa zur Notbetreuung in den Sommerferien und zur Durchführung einer Sommerschule.
Es ist absehbar, dass wir nach den Sommerferien noch nicht in den „normalen“ Schulalltag zurückkehren werden und die Corona-Pandemie unser Leben weiter bestimmen wird. Diesmal hat das Kultusministerium genug Zeit, sich darauf vorzubereiten und rechtzeitig einen „Plan B“ auszuarbeiten, wie die Schulen dann vorgehen sollen. Der VBE ist gerne bereit, daran mitzuwirken.
Wenn Sie Fragen oder Hinweise rund um das Thema „Schule in Corona-Zeiten“ haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an unsere Personalräte oder direkt an die Landesgeschäftsstelle. Wir werden versuchen, Ihre Anfragen zügig zu beantworten, und ggf. Ihre Fragen an das Kultusministerium zur Klärung weiterleiten. Auch das Kultusministerium hat auf seiner Internetseite ständig aktualisierte FAQs.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn sich jetzt alles um Corona und die Folgen dreht, sollten wir die fundamentalen Themen nicht vergessen, die uns unabhängig von der derzeitigen Ausnahmesituation bewegen. Der akute Lehrermangel wird uns trotz oder gerade wegen der Corona-Krise weiterhin beschäftigen. Unsere Forderungen nach Entlastungen der Lehrkräfte und mindestens A13/EG13 für alle bleibt bestehen. Die Ankündigung der Landesregierung, angesichts der Kosten zur Bewältigung der Krise bei den Lehrkräften zu sparen und auf die Angleichung der Lehrerbesoldung zu verzichten, ist ein Schlag ins Gesicht unserer jahrelangen Bemühungen, hier endlich für Gerechtigkeit zu sorgen. Unter dem Deckmantel der Corona-Pandemie wird hier versucht, sich auf fragwürdige Weise des unbequemen Themas zu entledigen. Bildung wird so im Schatten der Wirtschaft zum Verlierer der Krise. Die SPD rudert inzwischen zurück und will an den bisherigen Planungen festhalten (s. Eilmeldung, S. 3). Wir werden auf keinen Fall akzeptieren, dass unsere berechtigten Forderungen den Corona-Sparplänen zum Opfer fallen. Die Themen Besoldungsanpassung und Entlastungen bleiben auf der Tagesordnung, dessen sollten sich die Bildungspolitiker sicher sein.
Ich wünsche Ihnen nach überstandener „Restschulzeit“ erholsame Sommerferien. Sie haben es sich redlich verdient.
Bleiben Sie gesund!
Herzliche Grüße
Franz-Josef Meyer
VBE-Landesvorsitzender
Franz-Josef Meyer
VBE-Landesvorsitzender
Foto @ VBE-Niedersachsen